Barschangeln in Dachwig - Serienfänge dank Hybrida O-1

Es war ja alles ganz anders gedacht. Sascha und Thomas von baitcaster-erfurt.de hatten es letzten Freitag ursprünglich auf die Zander im Speicher Dachwig abgesehen. Doch schon beim Antreffen am Stau war uns klar, dass nicht nur wir den Brückentag zu nutzen wussten. Kurz überflogen konnten etwa zwanzig Autos, genauso viele Zelte und entsprechend viele Ruten gezählt werden. Mit uns teilten sich vier Boote das Freiwasser. Die interessanten Strukturen entlang der Staumauer waren von den Uferanglern komplett verbarrikadiert. Ein fingerlanges Bärschlein, das ich mit dem Gummigedöhns quer kassierte, blieb zunächst die lausige Ausbeute. Unsere Blicke zogen etwas unbeholfen über die flachen und noch flacheren Bereiche der Speichermitte.

Das Projekt Zander war für uns schon in der ersten halben Stunde ad acta gelegt. Unser ursprüngliches Alternativprogramm sah vor, die Hechte zu ärgern; im Auto lagen zudem noch die Bigbait-Geschichten parat. Doch dazu kam es nicht. Etwas entfernt sah Sascha, wie drei Möwen immer wieder ins Wasser stürzten und Kleinfische, die panisch aus selbigen heraus wollten. Die Barsche waren in Laune und auf was die abfahren würden, konnten wir uns dank des Quereinsteigers ausmalen. Wir wechselten den Ankerplatz und ans überdimensionierte Zandergeschirr (WG: +/- 80g) kamen die Hybrida Twitchbaits U-1 (9 cm) und B-1 (13 cm). Beide Modelle laufen getwitcht etwa 0,5-1,0 m unter der Wasseroberfläche. Damit sollte es eigentlich im etwa 1,5-2,5 m Bereich des Staus funktionieren. Der erste Wurf mit dem U-1 in BRPR brachte auch gleich den ersten regulären Barsch des Tages, doch mit jedem weiteren nahm das Interesse ab. Aus den Anstubsern wurden Nachläufer und irgendwann folgte auch kein Schwanz mehr dem Wobbler.

Das ist eine ziemlich häufig anzutreffende Situation. Die Barsche sind im Fressrausch, überall im Wasser wuselt es, Beutefische durchbrechen die Oberfläche, doch der mühsam präsentierte Köder wird ignoriert. Der Grund dafür ist der, dass Barsche mitunter ein ziemlich enges Fressmuster bzw. Beuteschema entwickeln. Je nach Jahreszeit und Gewässer dauern solche Muster wenige Tage bis mehrere Wochen an. Alles, was aus dem Rahmen fällt, wird anfangs neugierig beäugt und letztlich links liegen gelassen. Unsere Aufgaben besteht darin, dieses Muster zu erkennen und entsprechend zu bedienen. Und da hilft nur das Durchklamüsern der Köderboxen, bis das passende Modell und die entsprechende Führung gefunden sind. Erfolgsmodell des Tages: Der Hybrida O-1 Crankbait, doch was imitiert er wirklich?
Da wir nicht darauf vorbereitet waren, fiel die Entscheidung leicht: Der 7 cm lange O-1 Crankbait in BRN imitiert einen Mini-Barsch perfekt, zudem lässt sich mit dem bis zu 2,5m tief tauchenden Suspender die komplette Wassersäule durchsieben. Ein Glücksgriff, wie sich prompt herausstellen sollte. Jeder Wurf mit dem O-1 brachte Fischkontakt.

Nach ein paar Barschen ging uns auf, warum der O-1 zu gut punktete. Die Barsche hatten sich nicht auf die kleineren Artgenossen eingeschossen, wie wir angenommen hatten, sondern auf den diesjährigen Zandernachwuchs. Regelmäßig speiten die mittelgroßen Barsche kleine Zander (Z-0) aus. In Gewässern, in denen Barsche und Zander gleichermaßen stark präsent sind, ist dieses Phänomen öfters zu beobachten. Äußerlich kommt der O-1 einem Jungzander schon recht nahe und solange er Fisch bringt, sollte man sich nicht beschweren.

Mit diesem Hintergrundwissen konnten wir unsere Führungsweise optimieren. Kleine Zander liegen während ihrer Ruhephase dicht gedrängt am Gewässerboden. Vom Fressfeind aufgeschreckt oder angeknabbert flüchten sie zunächst horizontal. Instinktiv wissen die Jungfische, dass sie ihren Verfolger nur durch die Flucht nach oben abhängen können. Da die Barsche das auch wissen, schlagen sie umso vehementer zu, je näher die potentielle Mahlzeit der Wasseroberfläche kommt.
Unsere Präsentation sah wie folgt aus: Nach dem Auswurf brachten wir den O-1 durch schnelle Kurbelumdrehungen auf Tiefe, anschließend wurde mittels zwei, drei Twitches mit nach unten gerichteter Rute animiert und dann für 1, 2 Sekunden stehen gelassen – das Interesse der Barsche war geweckt, in der Nachahmung eines verletzten Fischleins witterten die Gesellen leichte Beute. Wir hoben während der kurzen Ruhepause die Rute und twitchten den Crankbait nach oben. In der Regel folgte genau in diesem Wechsel vom Runter- zum Hochtwitchen der Biss. Kam er nicht, oder blieb der Fisch nicht hängen, ging der Hybrida O-1 wieder auf Tauchfahrt, und das Spielchen begann von Neuem.

Auf diese Weise erangelten wir über ein paar Stunden hinweg 70-80 Barsche zwischen 20 und 35cm. Es muss jedoch erwähnt sein: Durch unser grobes Zandergeschirr konnten wir den O-1 Crankbait zwar perfekt twitchend animieren, leider stiegen andererseits viele Fische unberührt wieder aus. Darunter waren mindestens zwei Barsche, die der Kategorie 40Plus zuzuordnen sind. Das war nun einmal der Preis für die ansonsten recht kurzweilige Angelei.
Bei so hoher Frequenz bleibt natürlich genügend Platz für Experimente. Immer wieder probierte ich andere Wobbler mit dem Ergebnis, dass höchstens ein Fisch gelandet werden konnte und danach nichts mehr ging. Auch Gummifische waren ein heikles Ding. Der einzige Gummi, der vor allem Sascha Erfolg bescherte, war ein heller Slider Grub von Charlie Brewer.
Unseren Mitstreitern auf dem Wasser blieb das Intermezzo nicht verborgen. Sie postierten sich vor uns, links von uns und auch rechter Hand, sodass insgesamt sieben Angler das Areal abgrasten. Das Ergebnis war eindeutig: Während wir nach wie vor konstant Fische fingen, war bei den anderen nicht ein Barsch an die Angel gegangen. Da nützten auch die unfairsten Mittel nichts. Missmutig zogen die drei Boote nach einander wieder von dannen.