Der schwedische Pannenhecht


von Maik Hemmecke und Björn Wentzek

Zum mittlerweile dritten Mal waren Angelkollege Björn und meine Wenigkeit im heimeligen schwedischen Dalsland unterwegs – ganz in der Nähe der norwegischen Grenze stellten wir zwei Wochen Esox & co.nach Diese 2 Wochen, von denen die erste sich temperaturmäßig eher tropisch, die zweite dagegen eher arktisch zeigte, waren voller Natur- und Angelerlebnisse, die zu beschreiben wohl einige anschauliche Zeilen an dieser Stelle verdient hätten. Doch das vielleicht später einmal – unsere Geschichte soll an einem eher weniger erfreulichen Zeitpunkt ansetzen:
Der Tag der Abfahrt war nicht der Tag der Heimreise, unser Weg führte uns weiter zu einem Freund nach Norwegen. Dort sollte die vielseitige Tour ihren grandiosen Abschluss mit dem Angeln auf Raubfische mit Fettflosse finden. Voller Vorfreude hielten wir auf die norwegische Grenze zu. Die Stimmung war fangtastisch, schließlich gab ja auch den ein oder anderen schönen Hechtfang der letzten 2 Wochen, der noch einmal besprochen wurde. Neben Gummifisch zeigten hier vor allem diverse Zalt- und Piketime-Modelle, was sie so können. 10 Minuten später hatte die gute Stimmung ein jähes Ende gefunden: Einem lauten Motoraufheulen folgte wenig später die Erkenntnis, dass unser Wagen eine schwere Verletzung erlitten hatte - Stillstand im schwedisch-norwegischen Grenzgebiet. Das Ganze auch noch mitten im heftigsten Platzregen am Samstag Nachmittag. Nach Schock- und Fluchphase und Frustbier (lange Fluchphase) arbeiteten wir an konstruktiven Lösungen… etliche Telefonate und Minuten weiter befanden sich die beiden Petrijünger in einem schockfarbenen fluorogelben Abschleppwagen, die einzig in Frage kommende Fachwerkstatt in einer Stadt namens Arvika wurde angesteuert. Alles in allem hatten wir noch Glück im Unglück, natürlich schraubte keiner mehr an unserem Auto rum an diesem mittlerweile Samstag Abend. Doch der gut aufgelegte Fahrer des Abschleppwagens zeigte sich geduldig, als wir vor dem Einschließen des Wagens bei „Toyota Arvika“ noch schnell das Nötigste an Angelzeug aus dem Auto kramten – man kann ja nie wissen…
Vorerst jedoch mussten wir einsehen, dass eine Angelzwangspause begann – wir übernachteten in einem alten schwedischen Hotel im Stil der 50er und träumten wohl beide von großen Fischen mit Zähnen…
Am anderen Tag war uns dann relativ schnell klar, dass wir ja immerhin noch in Schweden waren, und Arvika von guten Gewässern umzingelt ist. Gemäß unseres Mottos („Angeln ist besser als Nichtangeln“) verließen wir das feine städtische Domizil, um eine kleine Holzhütte auf einem Campingplatz am Glafsfjord zu beziehen. Während ich noch meinen norwegischen Salmoniden hinterhertrauerte, überlistete Björn einige Kleinhechte an einem kanalartigen Übergang des riesigen Sees. Angespornt davon war es erneut Björn, der darauf drängte ein Boot zu mieten – „Angeln ist besser als Nichtangeln“. Mäßig begeistert stimmte ich zu, wir kannten das Gewässer ja kaum, außerdem fehlte die halbe Ausrüstung...
Mit dem Leihwagen gings dann doch ab zum Steg, wenig später waren wir auf dem Wasser – und hatten erstmal keine Peilung wohin. Mit dem Wind fahrend steuerten wir einige ufernahe Bereiche an, um unser Glück mit den in der Eile gegriffenen Schleppködern zu versuchen.
Mit den Gedanken bei der Frage, was wir wohl machen, wenn „Toyota Arvika“ nur müde lächelt, angesichts zweier Deutscher, die darum bitten, vorzugsbehandelt zu werden, da sie noch einigen Forellen im Nachbarland hinterherstellen wollen, entscheide ich mich für einen 22er bräunlichen Zam an der Schlepprute. Der Typ aus Brandenburg, der Marc Mihan, meinte ja „Is´n top Schleppköder mein Bester“. Marc lag auch schon mit einigen Ködertipps nicht schlecht, die in den beiden Wochen vor diesem leicht unfreiwilligen Zwischenstopp den ein oder anderen guten Hecht brachten. Sowohl Björn als auch ich hatten jeweils drei Hechte über 90 Zentimeter überlisten können – eigentlich war unser Hechtfazit schon gefallen: Ein verdientes Unentschieden.
Glücklicherweise gehörte zu den Sachen, die wir aus dem Auto gerettet hatten, auch das Echolot. Tatsächlich zeigt dieses zunehmend vielversprechende Tiefen. Anhand der Wellenbewegungen vor uns zeichnet sich eine Kante ab, sofort gespannter Blick aufs Echolot – keine Kommentar, das ist nicht schlecht hier. Acht, sieben, sechs, fünf, vier Meter… erwartungsfrohe Ruhe… BISS: Der Zam ist genommen, ein dumpfes schweres Zucken in der Rute lässt auf einen Größeren tippen. Kollege Björn reagiert geistesgegenwärtig, da sitzt jeder Handgriff (trotz Autopanne und Versicherungsgedöns am Telefon einige Minuten zuvor). Der Kollege (Groß?-) Hecht am anderen Ende der Schnur dagegen ist weniger kooperativ gestimmt, kräftig sind seine Fluchten. Einmal, nach ca. 5 Minuten Drill, ist er kurz zu erkennen. Dies lässt mich zu einigen begeisterten Ausrufen bringen. Doch Aufpassen ist angesagt, er flüchtet erneut, geht diesmal unters Boot, der alte Schlawiner. Die Attacke lässt sich ganz gut parieren. Ich schätze den durchtriebenen Esox auf nen guten Meter. Und dieser Meter hat es in sich, ein ungewöhnlich starker Hecht, selbst für den schwedischen Sommer. Er setzt zum finalen Fluchtversuch an, ich kann einen gewaltigen Sprung in Bootsnähe nicht verhindern. Wow!, Petri sei Dank ist die Bremse noch „sprungfreundlich“ eingestellt, der Zam bleibt im knochigen Maul des Hechtes hängen. Die folgenden Fluchten verlieren zusehends an Dynamik, bald darauf hat Björn ihn im Kescher. Auch hier schlägt der Fisch noch kräftig aus, bevor er sich geschlagen gibt. Ein schönes Tier von genau 101 cm und 16 Pfund. Obwohl wir schon größere Hechte gesehen hatten, waren wir uns einig darüber, dass dieser hier besonders war – wunderschön gezeichnet, kräftig, mächtiger Kopf im Vergleich zum Restkörper.
So hatten wir also doch noch den metrigen Hecht im Boot – den „Pannenhecht von Arvika“, gefangen zu einem Zeitpunkt, an dem das Hechtangeln auf dieser Fahrt schon längst beendet sein sollte, frei nach dem Motto: „Erstens kommt es anders und…“.
Wozu eine defekte Kupplung doch gut sein kann…und eine gelungene Beratung, wie sie Marc gegeben hat.