Mein EPC 2011 - „9. European Pike Championships“ vom 1. bis 8. Oktober 2011 in Västervik (Schweden)


von Uwe Lickfett

Die folgenden Schilderungen sind rein subjektiv nach meinem Empfinden gedeutet. Meine Angeltechnik ist das Fischen mit Jerkbaits. Dazu benutze ich folgende Geräte:

„Leichte Jerkrute“: 6‘ (180 cm), Wurfgewicht bis 160 g, Hersteller: ZALT, Modell: SVARTNÖ; Rolle Hersteller ABU GARCIA, Modell TORO 51 HS („Linkshand“) mit STREN 40 lbs Schnur, Titan-Vorfach 45 lbs (Stay-Lok-Snap und Tönnchen-Wirbel) gefertigt von jerkbait.com; Jerkbait: Hersteller: GLURES, Modell: Lilla My 5“ x 65 g, Muster: Glow Pike mit Gamakatzu-Haken „Trebel 13 B“, Größe 2/0. Die Einsatzquote der Rute lag bei etwa 80% und brachte daher die meisten Fische. Die Combo kam auf kurze Distanz bei Wurfweiten bis 20 m zum Einsatz.

„Mittlere Jerkrute“: 7‘ (210 cm), Wurfgewicht 1 bis 6 Unzen (30-180 g), Hersteller: LAMIGLAS, Modell: LGM-H 7‘.0; Rolle, Schnur und Vorfach wie vor; Jerkbait: Hersteller: SVARTZONKER, Modell: McTail 5“-Körper + 3,5“-Tail, Wurfgewicht 90 g, Muster: „Black Viper“ mit OWNER-Haken „ST-36BC“, Größe 2/0. Die Einsatzquote dieser Rute lag bei etwa 10%, da diese in erster Linie zum erneuten Anwerfen von Nachläufern diente und dabei auch einige Fische (4 oder 5) ins Boot brachte sowie bei wolkenlosem Himmel immer einen Versuch wert war.

„Schwere Jerkrute“: 7‘ (210 cm), Wurfgewicht 1 bis 8 Unzen (30-240 g), Hersteller wie vor, Modell LGM-XH 7‘.0; Rolle Toro 61 HS („Linkshand“) mit STREN 50 lbs Schnur, Titan-Vorfach wie vor, jedoch Tragkraft 55 lbs; Jerkbait: Hersteller SVARTZONKER, Modell: LKJ 8,5“, Wurfgewicht 200 g, Muster: „Silver Viper“ mit OWNER wie vor, jedoch Größe 3/0: Die Einsatzquote dieser Rute lag etwa auch bei 10%, brachte jedoch leider keinen Fisch ins Boot.

Am Ort des Geschehens

Wir traten mit vier Männern am Samstag dem 01. Oktober gegen 15:00 Uhr zur Teamregistrierung an und erhielten das Messbrett Nummer 3, drei Karten der Wettkampfzonen jeweils mit Abschrift des Regelwerks (Englisch) und das Echolot ausgehändigt. Fototermin mit Messbrett auf dem ersten Bild der Kamera, Jury behält die Kamera und Abmarsch zum Boot, Einweisung und Übergabe, damit sind die Formalien abgearbeitet.

 

Hintergrund: Die Mannschaft „Pikestrike Germany“ wurde von drei Anglern mit EPC Erfahrung und einem Västervik-Neuling gebildet, so dass wir mit zwei Teams im Wettkampf fischen konnten. Alle Erkenntnisse, Analysen, Erfolge wie Fehler, Taktiken und Strategien wurden zeitnah in der Mannschaft weitergegeben. So waren wir immer im Vorteil, da wir in einer Zeiteinheit auf zwei Plätzen Fischen konnten. Mehr Teams, mehr Spots. Weiter wären wir in der Lage gewesen aussichtsreiche Spots zu blocken, was jedoch nie nötig wurde.
Das funktionierte nur, weil in kürzester Zeit Mannschaftsgeist, Harmonie und Ruhe im Team einkehrten. Klar gesagt: Miteinander statt Missgunst! Schnellstens weg von „ich mir meiner mich“, hin zu „wir uns unser unserem“. Glaubensbekenntnis wurde die erste rheinische Regel:
„Es ist wie es ist, es kommt wie kommt und es ist noch immer gut gegangen!“ Dem folgte oft die Zweite: „Woanders ist auch nicht besser, wahrscheinlich noch schlechter als hier!“

Die Skipper und der Eleve mussten nach der Registrierung sofort auf die dem Camp vorgelagerten Felsen klettern. Wasser- und Fischkontrolle wurde erledigt, Positivbescheid konnte raus. Wie nicht anders erwartet, Wasser war wo es hingehört und der Fisch war willig. Großwetterlage und Stimmung waren gut, Grill an, Planung des Übungstages und Bettruhe.

Am Sonntag war freies Training außerhalb der Wettkampfzonen. Hier war es wichtig Mannschaft und Boot in Einklang zu bringen. Material und Ausrüstung wurde geprüft, Fische und Köder fanden zueinander. Die Fänge wurden nach Mustern oder Übereinstimmungen, Neuem oder bereits Bekanntem geprüft und verglichen. So bekamen wir erste Teile des Rätsels zu sehen. Gegen 18 Uhr waren wir mit dem Praktikum durch und mussten im Anschluss zum großen Treffen der Teams. Alle Teams, außer den Franzosen, waren da. Nach fast einer halbe Stunde war Frankreich immer noch nicht in Sicht. Es ging dann aber trotzdem los, hätten wir auch schon eher haben können.
Noch einmal wurde haarklein das Regelwerk erklärt sowie Fragen dazu beantwortet. („Ja, Fliegenfischen ist eine erlaubte Angelart.“) War alles schon bekannt aus den Regeln. Sponsoren wurden belobigt und deren Willkommen-Präsente an die Teams überreicht.
Rückmarsch zur Hütte. Hier schleunigst zur Proteinaufnahme wie am Vorabend eine Feuerglut entfacht, die Wettervorhersage beschafft und „Brainstorming“ für den ersten Wettkampftag betrieben mit anschließender Nachtruhe.
Hintergrund: Man kann in den drei Wettkampftagen nicht soviel Kalorien aufnehmen wie man verbrennt. Hinzu kam bei mir, wie im Vorjahr auch, eine mit dem Fortgang des Wettkampfes steigende Appetitlosigkeit. Als dann auch noch Attacken, Bisse, Aussteiger und Fänge hinzu kamen, stieg unwillkürlich der Hormonspiegel. Alles was der Körper für solche Situationen zu bieten hat, wurde ausgeschüttet. Alles war gut: Frei von Hunger, Durst, Kälte, Pein, jedoch wach, bei höchster Konzentration auf den nächsten „Biss“ aus, der bitte alles Erlebte verblassen lassen möge. Ich verlor in diesem wie im letzten Jahr vier Kilogramm in der Woche, trotzdem wir an Bord keinen Mangel litten.

Montag, erster Wettkampftag
03.10.2011, „Tag der deutschen Einheit“, 5:45 Uhr Licht an, fertig machen, 7:15 Meeting-Point, Ausfahrt nach Zone B mit der größten Distanz zwischen Camp und Start-/Zielpunkt. Sonne mit wenig Wolken, leichter Wind, klare Sicht über wie unter Wasser, Temperatur Wasser 12° bis 15° C, Luft um 20° C. Fischen im Aquarium mit Tiefen von 0 bis 10 m war angesagt. Am Juryboot die Kamera abholen, die Zeitansagen der Jury mit der Bordzeit abgleichen, 9:00 Uhr Start frei-endlich!
Taktik war hier: Abwarten und zählen wie viele Boote in welche Richtungen aufbrachen. (Mit 15 PS am Crescent hat man kein Rennboot.) Dabei kurz die Geflochtene in der Juryzone angefeuchtet, dann unsere geplante Rundreise dort begonnen, wo wenige oder keine Teams hin aufgebrochen waren. Hintergrund: Zone B war mir bis dahin unbekannt und wusste nur vom Hörensagen, dass nur Fische bis 80 cm zu fangen seien. Egal, 5 x 50 cm sind auch 250 cm! Taktik war klar: Fünf Hechte von mindestens 50 cm Länge. Nervös machten uns das zunehmende weniger an Wolken und das stete Mehr der Sonne. Jedoch wenn ich den Köder besser sehen konnte, konnte das der Hecht auch-gerade in diesem glasklaren Wasser! („Keine schlechten Gedanken zulassen!“)
Keine Angst vor spätsommerliche Hochdrucksituation mit Wind aus westlicher Richtung, bei stabiler Großwetterlage und herankommenden Tief...
Wie nach Lehrbuch fahren die meisten Teams an Ufer, Strukturen und Insel, die im Wind liegen, so auch unser Team 2, mit Skipper Christof und Spotter (ich nenn den jetzt mal so, weil „Ankerschlampe“ einfach unschön klingt und der Job auch noch ein bisschen mehr umfasst) Thilo im Bug. Ergebnis: erster Fisch am Brett. Schön für sie, weitermachen. Team 1, mit Skipper Wolli und mir als Spotter im Bug begeben uns in windgeschützte Bereiche und fischen die ufernahen Strukturen ab. Ergebnis: Auch wir bekommen die ersten Fische ans Brett, aber wir können den Sack nicht zu machen, ein Fisch zu wenig. Zum Juryboot Kamera abgeben, Heimfahrt zum Camp, Hütte mit Sonnenuntergang gegen 19:00 Uhr erreicht, Essen aus dem Dosenkessel mit Tütenwurst gefasst. Team 2 kam herein mit guter Stimmung. Es lag in der internen Wertung in Front. Team 1 gelobte Besserung. Strategie für den zweiten Tag wurde besprochen, die im Grunde mit der des ersten Tages identisch war. Da das Wetter sich nicht verschlechterte, war allen klar, dass der zweite Tag in Zone C verbracht werden musste. Da bin ich im letzten Jahr schon einmal gewesen...

EPC 2010, Rückblende
Letzter Wettkampftag, der zweite Tag war wegen Sturm ausgefallen, wobei das nicht weiter tragisch war, da man sich noch die Wunden vom Montag lecken musste. Großwetterlage war , gelinde gesagt, bescheiden. Starker Wind aus Süd-Ost, dunkler Himmel mit Regen. Fischen hart im Wind lautet die Tagesorder! Hurra-Super! Vom Start bis 15:00 Uhr: Kein Fisch! Und nur zwei oder drei vom Montag am Brett gehabt. Neue Taktik wurde damals, windgeschützten Bereich suchen! Na prima! Erste Würfe: Ein Fisch zwischen 80 und 90. Ich übersah einige lockere Wicklungen auf der Rolle, Auswurf, Andrehen der Rolle, Wicklungen lockerten, verschlangen und strafften sich wieder, kurzer Ruck, die Schnur war gerissen! Fassungslos beobachtete man den letzten Flug und die unweigerlich folgenden letzten Landung des eben noch so erfolgreichen Köders. Damals keine passende zweite Rute für einen ähnlichen Köder an Bord gehabt. Gefühlte Ewigkeiten den Knoten aus der Spule gepellt, die Schnur eingefädelt, Titan-Geflecht und Knoten. Neuen Köder mit mehr Zweifel denn Vertrauen aus der Kiste gewühlt, Ring in den Karabiner, mit klammen und zitternden Fingern verschlossen. Endlich! Die Stelle erneut mehrmals angeworfen - Nichts ging mehr. Am andern Ende der Rinne schien eine Art Pool zu sein. Genau im Windschatten der Insel eine fast glatte Wasseroberfläche, durch Untiefen zum offenen Wasser geschützt im Inneren ausreichend tief. Rein da das Ding - Fisch zwischen 70 und 80. Noch einmal rein da - Fisch - ähnlicher Größe, noch mal da rein - Ende, nichts kam mehr. Mehrmals haben wir das Boot versetzt, unsere ganze Köderpalette aus Holz, Kunststoff, Gummi und Stahl unter jedem neuen Wurfwinkel gezeigt. Fazit: Nichts kam und es ging nichts mehr außer der Zeit. 16:30 Uhr Fahrt zum Juryboot. Nach ein paar letzten Würfen in der geschützten Bucht unter wohlwollender Aufmerksamkeit des geneigten Publikums, die Kamera abgegeben, zurück ins Camp und zur Hütte gekämpft. Dann gejubelt, da das Minimalziel erreicht wurde: Wir belegten nicht den letzten Platz, sondern lagen in der Mitte des Feldes, sogar noch vor dem „Alt“-Team der Mannschaft. Das einzig Gute an der Sache war, dass ich eine Wertung für mein Fischen erhalten hatte und das EPC erlebt hatte.

Gedanken danach:
Die Taktik im Wind zu fischen mag sicher richtig, durch unzählige Erfolge bestätigt und in Zukunft gültig sein - unbestritten. Warum sollte es hier anders sein wie überall anders auch? Folglich wird hier genau das getan, was in allen andern Angelgebieten dieser Welt auch empfohlen und getan wird: Fahrt zum bekannten Spot, der meistens Unterschiede jedweder Art zur umgebenden Unterwasserlandschaft besitzt, was Beute lockt sowie die Räuber magisch anzieht. Was gibt es logischeres, als auf diesem Platz mit dem Boot zu campen, von Auf- bis Untergang der Sonne seine Köderpalette hinaus zu peitschen und wieder zurückholen bis die Arme abfallen. Jeder kennt die Kausalität Hunger-Nahrung-Zeit für Jäger und Gejagten.
Fazit: „Der richtige Fisch wird im Laufe der Zeit hungrig, Beute suchen und bei mir einsteigen“. - Gut, mag so sein! „Zu Beisszeiten sind auch Massenfänge möglich!“ - Mag auch so sein.
Nur in einem Wettkampf ist Zeit ein kostbares Gut, das genutzt werden sollte. Dazu sprechen sich Spots nicht nur unter Anglern rum, sondern auch unter Fischen! (Hartmut Geck hat sich ausführlich zu diesem Thema in seinen Druckschriften befasst und wird es hoffentlich auch weiter tun.) Des weiteren ist Västervik in den Sommermonaten ein Urlaubsgebiet, in dem Angeln zur Tagesordnung und guten Ton gehört. Also unterliegen die Spots von Saisonbeginn (eisfreies Wasser) bis zum Ende der Saison (Frosteinbruch) einem permanentem Angeldruck (wahrscheinlich im Winter auch noch zum Eisloch-Fischen), den der Fisch natürlich irgendwann auch bemerkt, misstrauisch (vergrämt) wird und sein Verhalten ändert, also „lernt“ dem Druck auszuweichen. Die Niederländer sprechen hier von „Dressur“, was des Pudels Kern genauso gut trifft.
Eine Gegenstrategie musste her! „Fish Different-Catch More!“ („Fisch anders-fang mehr!“) war die Lösung: Wenn alle ihre Fische beim Fressen stören, stören wir sie eben beim Verdauen! Frage: Wo würdest Du als Hecht in dieser Gegend schonend ausruhen können, fein verdauen und dabei auf den nächsten mutigen/unvorsichtigen Snack warten können? Löse das Rätsel, überprüfe deine Mutmaßung und analysiere ständig Erfolge wie Enttäuschungen, passe dich der Situation an und versuche nicht dir die Situation passend zu machen!
Ich erlaube mir an dieser Stelle eine der unzähligen Wahrheiten des Großmeisters Bertus Rozemeijer aus dem Gedächtnis sinngemäß zu zitieren: „Besser an einer schlechteren Stelle gut fischen, als an einer guten Stelle schlechter fischen!“


Dienstag, zweiter Wettkampftag
Mit dem Wissen des Vortags und Mutmaßungen gerüstet, starteten wir in die Zone C. Struktur und Aufbau sind der Zone B ähnlich. Die Wetterbedingungen waren sommerlicher geworden, wir erlebten einen sehr schönen, sonnigen und trockenen Tag auf dem Wasser. Als erstes wurde zeitig der fünfte Fisch an das Messbrett gehalten und der Sack war zu! Also gingen wir jetzt daran unsere Vermutung bestätigen zu lassen und fischten gezielt Erfolg versprechende Areale ab, verfeinerten und passten unsere Techniken an.
Die Mutmaßung wurde im laufe des Tages zur Gewissheit: Hecht auf Hecht wurde wenigstens aus seinem Einstand gelockt. Und manchmal erst nach mehr als zwei Dutzend und dem vermeintlich „letzten Wurf“ an einem Spot, zu Attacken oder Bissen verleitet.
Fische, die uns in der Wertung nicht mehr weiterhelfen konnten, wurden noch im Wasser abgehakt, so dass uns am letzten Tag nur noch Fische, die länger als 70 cm gewesen wären, weitergebracht hätten. Wir waren zufrieden mit uns, Team 2 war auch stolz auf sich, da es die interne Wertung weiter anführte.

Mittwoch, letzter Wettkampftag
D-Day in Västerviks Großfisch-Arena, der sogenannten Old-Bay. Frischer Wind aus westlicher Richtung, Wolken mit Regenschauern, das Tief kam näher. Wie von uns erwartet, wurden die bekannten Spots im Wind gestürmt. Wir stürmten mit, suchten aber windgeschützte Bereiche, da der Wind auf offenem Wasser doch stärker als erwartet war. Also ab hinter die nächste Insel: Elch-Kuh mit zwei Kälbern querte die Furt zwischen Land und Insel. Eine Rotte Wildschweine tobte noch wie eine besengte Sau hinterher. Enten ergriffen beim Erkennen eines menschlichen Umrisses am Horizont panisch die Flucht. Alles was schmeckt und ein Gesicht hat flieht vor uns-selbst die Hechte sind verschwunden, obwohl die hier gar nicht so gerne verwertet werden. See- und Fischadler sind auch schon davongeflogen: „Wolli wir verschwenden hier nur Zeit. Zu laut und zu tot hier. Ab an das Ostufer in den Windschatten. Das gleiche Muster wie gestern. Wir wären die Ersten da.“ Nach einer feuchten und nicht fröhlichen Fahrt hatten wir das West-Ufer der Old-Bay im Windschatten erreicht.
„Hier habe ich in all den Jahren noch nie gefischt.“ Und all die Andern wohl auch nicht?! Das gab ein wenig Mut und Vertrauen. Denn mal los!
Und es ging los und endete fast nicht mehr. Damenwahl beim Ball der einsamen Herzen und unsere Köder waren die einzigen Gigolos der Tanzveranstaltung. Rasch fiel beiderseits jegliche Schamgrenze, so dass Wolli nach knapp 100 m Drift wieder ein Streichen-Duett spielen konnte sowie eine kleine Brotzeit einlegte nach diesen Taten.
Der Spotter durfte schleunigst den Notruf raushauen und den zweiten Trawler anfordern. Dann das übliche Tagesgeschäft abgearbeitet: Kurze Würfe an den Uferbewuchs, zügige, hektisch-nervöse Führung, von Pausen unterbrochen beseitigten dann die letzten Hemmschwellen. Diese Drift erschien endlos zu werden, da wir erkannte Spots jeweils mit drei Driften belegten. Das augenscheinlich beste Areal war ja noch nicht erreicht..., so meinte und hoffte ich!
Da wir schon mehrere Meter ohne Kontakt gedriftet waren, entschloss ich mich zur Abwechslung die „Silver Viper“ einzusetzen. Eine etwas höhere und weitere Flugbahn sowie ein richtiges „Eintauchen“ (mit Breitseite) auf die Wasseroberfläche, verbunden mit einem kurzen Ruck und folgender Pause, hatte manchmal sofort eine Attacke gebracht. Das Eintauchen wurde aber auf jeden Fall weithin wahrgenommen und konnte Fische „wecken“.
Hintergrund: Da Fischgreife gesichtet wurden, konnte davon ausgegangen werden, dass in diesem Wasser die Beute auch schon mal vom Himmel fiele. Denn nicht jede vom Greif geschlagene Beute ist eine vom Greif gefressene Mahlzeit!
Das Eintauchen in einiger Entfernung zum Ufer sollte den Beuteverlust eines Greifen während des Fluges nachahmen. Einschlag mit kurzem Ruck, ahmte den final Schwimmreflex einer Beute nach. Im Anschluss stellte die Pause mit sinkendem Köder die Benommenheit der Beute dar. Leichtes Fleisch, Party! Aufstehen, Abpflücken und husch-husch zurück ins Körbchen...
Kein Kontakt? Kein Einzelschicksal! Dann der Beute neues Leben einhauchen und in gewohntem „Walking The Dog“-Stil (Rechts-Links-Lauf), wieder von unregelmäßigen Pausen („krautfreie Löcher“) unterbrochen nach Hause führen. Die Köderführung, das „jerken“ (rucken) wird dabei einzig mit der Rolle ausgeführt, da dieses ermüdungsfreier und eine körperliche Abwechslung bietet.
Dazu wird der untere Teil des Handgriffs zwischen Brustkorb und Oberarm (unter die Achsel) geklemmt. Mit der Ruten-Hand an Trigger und Rolle sowie mit deren Unterarm am Handteil wird das „Gegenlager“ errichtet. So gehalten mit festem Stand ist gewährleistet, dass die Energie, die durch die Kurbeldrehung in den Köder geleitet werden soll, nicht durch unwillkürliche Körperbewegungen verpufft. Die „steife“ Rute lädt sich nur minimal auf und gibt die geladene Spannungsenergie bei Lastfreiheit, Stillstand der Rolle unter gespannter Schnur sofort an den Jerk weiter. Das Ergebnis ist ein zackig, horizontal laufender Köder, der mit jeder Richtungsänderung seine Seiten aufblitzen lässt. Unvermittelt ausgleitet und in der Pause sinkt. Dann wieder mit mehreren Rucken nach oben steigt, erneut absinkt, mehrere Fluchten nach vorne, Pause u.s.w..
Da wird der Gesundheitspolizist (Pike) aber ganz nervös. Diagnose: „Orientierungsloser Einzelpatient mit Beschwerden an der Schwimmblase. Da hilft der Kreatur, nur finale Kur.“
Wenn nun noch darauf geachtet wird, dass der Winkel zwischen Rute und Schnur irgendwo zwischen 120° und 140° liegt, kann bei erhöhtem Stand und seitlich nach vorn abgesenkter Rute mit geschlossener Bremse, ein wirkungsvoller Anhieb durchgebracht werden. Durch drehen des Oberkörpers sowie der helfenden Armkraft, kann die Rute in einer fliessenden Bewegung seitlich am Körper vorbei von unten-vorne nach oben-hinten beschleunigt werden. Wenn dazu noch Schnur mit der Rolle aufgenommen wird, hat man gute Chancen den Fisch zu haken.
Voraussetzung hierfür ist ein Schnur-Bogen zwischen Rute und Fisch, der kürzer ist als der Weg, den die Spitze der Rute beim Anhieb durchläuft.
Klartext: Permanenter Kontakt zum Köder muss gewährleistet sein! Hierzu wird ständig Schnur mit der Rolle aufgenommen, auch während der Köder absinkt und die Strömung diesen auf den Fischenden zutreibt.
Außerdem ist zu beachten, dass Schnur Auftrieb besitzt und durch die Schwimmweise des Köders, selbst bei bestem Kontakt während der Führung, ein kleiner Schnur-Bogen auf Distanz nicht zu vermeiden ist. Dieser Effekt verkleinert sich aber, je näher der Köder dem Fischenden kommt. Ab einem gewissen Punkt (ca. 10 - 15 m vor dem Fischenden) verschwindet der letzte Schnur-Auftrieb und somit der Schnur-Bogen. Jetzt wird ein sehr direkter Köderkontakt spürbar und eine entsprechend direkte Führung, z. B. „auf der Stelle“, wird möglich. Oft werden auch Nachläufer gesichtet, die sofort zu Attacke und Biss verführt werden. Ein folgender Fisch wird angesagt, so dass der Partner bereit ist, sollte der Fisch abdrehen, seinen Köder zu präsentieren. Hatte der Partner keinen Erfolg, werfe ich mit einem „Kontrast“-Köder noch einmal in die vermeintliche Richtung des abziehenden Fisches.
Nachdem mit dem Großköder ein Halbkreis mit drei bis sechs Würfen belegt wurde, die Rute ablegen und mit dem Suchköder erneut den Bereich mit mehreren Würfen absuchen. Hintergrund: Esoxens sind nach Klopfen an der Haustür und den Lichtreflexen in Alarmbereitschaft („irgend etwas war da“). Da kommt wieder so ein kleiner Artgenosse aus dem Gebüsch genau durch meinen Vorgarten-so eine Unverschämtheit! In diesem Augenblick haben Fisch und Fischender gemeinsam den gleichen Gedanken: „Seien sie willkommen! Es ist mir eine Freude!“
Meine Köderführung bei der Suche gleicht der oben beschriebenen Art, jedoch mit einem kleinen Köder aktiver präsentiert. Da ich von der natürlichen Neugier eines jeden Räubers überzeugt bin, versuche ich meinem Köder eine möglichst lange Tauchfahrt auf kurze Distanz zwischen 20 und 30 Metern zu bieten. Weite Würfe streue ich auch vereinzelt ein, das Risiko kennend, einen Anhieb auf Distanz nicht durchzubringen. Bringt auch Nachläufer/Attacken in Bootsnähe. Dieses rede ich mir dadurch schön, den Fisch gefunden zu haben. Im Nachgang kann dieser vielleicht doch noch gestellt werden. Biss und „missgeschlagen“ sind zwar im ersten Moment schmerzlich, zeigt jedoch auch, dass man auf dem richtigen Weg ist. Kam der Biss in Bootsnähe tausche ich den Köder (Rute liegt gebrauchsfertig bereit) und werfe in die Fluchtrichtung des Hechts, sobald mein Partner seinen Köder am Boot hat. Brachten drei bis fünf Würfe keinen Erfolg, tausche ich die Rute wieder zurück auf meinen Suchköder. Danach in gewohnter Weise weiter fischen und frühestens nach 15 Minuten, besser 30, den Spot aus neuen Wurfwinkeln abfischen. Ist nach ein, zwei Dutzend Würfen mit Abwechslungen von Führung und Tempo nichts passiert, verlassen wir den Spot und verlängern die Zeit zwischen unseren Besuchen.
Beinahe vergessen: Im Drill haben wir grundsätzlich die Rute mit ihrem oberen Drittel ins Wasser getaucht und den Fisch herangeholt; dadurch konnten wir die Fische vom Springen und Kopfschütteln an der Luft abhalten und ein Losschlagen verhindern. (Wie im letzten Jahr brauchten wir für diese Einsicht wieder einmal den ersten gehakten Fisch)

Tageshöhepunkt:
Weck-Wurf über 40 m, „Zick-Zack-Kurs“ zurück, Biss 8-10 Meter „Backbord-Quer-ab“ (Bereich in Fahrtrichtung links vom Boot, rechtwinklig zur Achse Bug-Heck), Anhieb, Fisch durchbrach die Oberfläche, zeigte Bauch und Seite beim Abtauchen, Rute krümmte sich, Fisch hing. Hing er nicht! Der Köder sprang aus dem Wasser, flog in zwei Metern Höhe zwischen Wolfgang und mir über das Boot und schlug gut drei Meter „Steuerbord Quer-ab“ im Wasser ein.
Stille, fassungslose Augenpaare trafen aufeinander. Hier waren wir richtig!
Der Skipper findet als erster die Fassung wieder: „Du hast schon lange nicht mehr mit deinem „Kleinen“ gefischt!“
Gut, Schaum vom Mund gewischt, Serviette bei Seite und weiter mit dem „Kleinen“. Ich war ja beim „Wecken“ überrascht worden. Wer jetzt nicht munter war...
Völlige Stille um uns herum, wortlos, hoch konzentriert und einer großen, fast greifbaren Spannung kam die Chefin persönlich. Ich kann es nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, aber kein Dutzend Würfe später, bekam ich einen, fast nicht zu fühlenden Biss. Anhieb, Fisch hing, aber was war das? Wieder so ein 60-er? Gut und schön, schnell ran damit und Jerk rausgerückt. Schön für die Gedächtnis-Galerie, aber nicht für die Wertung. Wolli jedoch sah den Fisch vor mir und wurde sehr angespannt: „Das ist ein Guter!“ war alles. Danach konzentriertes Schweigen. Skipper hatte den Kescher bereit, beide standen wir unten im Bootsraum, Wolli rechts von mir. Der Fisch kam unter dem Bug auf unserer Seite zum Vorschein. Wolli führte den Kescher zum Fisch, ich den Fisch mit dem Kopf voran in den Kescher. Ein nicht enden wollender Leib glitt über den Rand des Keschers. Beendet wurde die Vorstellung, als die Schwanzflosse in Größe „Kinderpaddel“ im Netz verschwand. Erst in diesem Augenblick verstand ich langsam, was da gerade geschehen war. Ich brüllte meine Freude mit einem dreifachen „Ja!“ heraus.



Team 2 kreuzte gerade das Fanggebiet und wurde mit gebührendem Abstand zu uns Zeuge des Geschehens.
Einzig für diesen Fisch nahmen wir uns etwas mehr Zeit. (Normalfische: Keschern, wir verloren dabei keinen Fisch, Abhaken, Messen, Foto, Zurück alles unter zwei Minuten. Es lief perfekt, obwohl wir vorher noch nie miteinander unterwegs waren.)
Alle Zweifel waren verschwunden! Alle schlechten Gefühle, alles Verlangen fiel einfach ab; kein Hunger, kein Durst, einfach nur eine unbeschreibliche Genugtuung und das Gefühl des Glücks stellten sich ein. Das war gut-mehr davon. Ein guter Fisch ist zwar schön, aber wir hatten noch genug zum Streichen...



Also, Position einnehmen und weitermachen! Leider brachte der letzte Rest der Drift nicht den erhofften Erfolg. Was tun? Noch mal das Gleiche, war uns zu dumm, da auch andere Teams nach und nach auf den Trichter kamen und bereits eine Völkerwanderung auf den Spot eingesetzt hatte.
Um die Ecke: Bucht mit allem was dazugehörte: Tiefe passte, Struktur stimmte, Kante war vorhanden, passende Größe, die man nach Reglement mit einem Boot halten kann.
Als die Bucht vor mir auftauchte, konnte ich mir nur noch ein freudiges Grinsen abringen. Genau das, was wir brauchten, wenn hier nicht-wo denn sonst...
Und es kam wie vermutet: Wir hatten das Kongress-Zentrum gefunden und es war für freien Gedankenaustausch bestens besucht. Dort verbrachten wir den Rest des Nachmittags, sodass ein 68-er unser schlechtester Fisch blieb.
Bloß nichts mehr bei der Jury anbrennen lassen, Kamera auf Zeit zurück, Camp/Hütte. Der übliche Abspann. Jeder machte das, was er für wichtig und/oder nötig befand. Der Wettkampf war gelaufen. Damit, so munkelten wir, dürfen wir bei der Preisverleihung vielleicht aufstehen, für einen großen Wurf fehlte aber die Granate des Morgens. Mit dem längsten Fisch war ja auch nicht sicher. Mit der Auskunftsfreude der Angler war das im Wettkampf auch so eine Sache und genug Fische über einen Meter waren auch gefangen worden. Das war unser Denken.
Na ja, wir mutmaßten schon, dass wir mit dem längsten Fisch ganz gut im Rennen wären, aber Besser ist der Feind von Gut!
Vielleicht nur das beste deutsche Team. Eine Erwähnung in den üblichen Kiemen- und Schuppen-Postillen wäre uns damit sicher gewesen. Was für ein Triumph wäre das gewesen. Wieder einmal half die erste rheinische Regel. Die Vorjahressieger, Team Salmo Ukraine hatten zum Heimatabend geladen: Borscht mit frischem Knoblauch. Erstkontakt.

Donnerstag, „Freies Fischen“
Der Tag stand zur freien Verfügung und wurde für ein privates Wettangeln genutzt. Wolli wollte unbedingt und ich nicht als Spaßbremse erscheinen. Team ist Team und der Skipper hat das letzte Wort! Team 2 sollte heute das Eisen aus dem Feuer reißen: Spot erklärt, rein in die Bucht und das Ding ins Boot!
Haben sie auch tadellos erledigt-sind halt auch fähige Fischer! Wir haben den Tag alldieweil bei gemütlichem Fischen verbracht, man fand Fisch fast auf Ansage.
Nur als wir Kunde von Team 2 bekamen, dass unsere 78 cm bei weitem nicht ausreichten, haben wir noch entspannter gefischt und waren eine Stunde vor dem Zeitlimit zurück. Das war der Donnerstag.

Freitag, Preisparty
Am Freitag verteilten wir uns neu auf die Boote. Da ich Christof‘s Art zu fischen bereits kannte und zu schätzen wusste, durfte Wolfgang zu Christof aufs Boot. Thilo sprang in meine Dschunke. Thilo war gut drauf, fing auf Ansage Fische. Da es um nichts mehr ging an diesem Tag und wir beide unseren großen Hecht gefangen hatten, nahmen wir es mit dem Angeln nicht mehr recht ernst, sondern analysierten den Verlauf der EPC.
16 Uhr Camp, Boot ausgeräumt, gereinigt, abgegeben. Das Inventar zur Hütte. Trockenes von Feuchtem getrennt. Aus der Bootskleidung raus, rein in Zivil. Zum packen war am Samstag noch genug Zeit. Auf der Terrasse den Abend erwartet. Der Bus kam, wir belegten die letzte Sitzreihe. Derjenige, der zu letzt Platz nahm, verkeilte die Mannschaft zwischen den Außenwänden und Abfahrt in Västerviks gute Stube, dem Heimatmuseum. Sehr nett gemacht, mit Liebe zum Detail, bestätigte eigentlich nur das, was ich schon wusste. Fisch und alles drumherum war einmal. Ein bisschen Hafen, viele Sportboote und einige Fische sind übrig geblieben.
Derzeit versucht die Stadt den Angeltourismus zu fördern, was die Anwesenheit der lokalen Politprominenz an diesem Abend erklärte. Auch die Förderer des Abends wollten genannt sein.
Egal, man ließ sie reden. Irgendwie und wann war jeder fertig mit seiner Strophe. Artiger Applaus aller. Lächeln und setzen. Dann wurde das Büffet endlich frei gegeben, nachdem es zuvor gefühlte drei Generationen den Raum aromatisiert hatte. Die hungrigsten mit der größten Masse in vorderster Front. Das Traumbild eines Futterplatz-Spezialisten wurde Wirklichkeit. Die gleiche Küche wie im letzten Jahr übrigens und Elch können die hier bestens.
Pause, dann die Rangliste. Letzter Platz zuerst, eine geführte Angeltour im Revier für die Trödelheinis. Sehr schmerzhaft, Höchststrafe für ein Team das um den Sieg gefischt hatte und am letzten Wettkampftag wegen überschreiten des Zeitlimits um 45 Sekunden aus der Wertung verbannt wurde.
Dann ging es zügig weiter bis zu Platz 5, was wir schon ahnten wurde Wirklichkeit: Wir haben den längsten Fisch des Wettkampfs gefangen! Spitze! Ab nach vorne, Urkunde, Holzhecht, Echolot, neue Ruten für uns gibt es auch noch. Hände schütteln, Fotos, wieder Platz genommen. Bis Platz vier kamen wir noch, dann war wieder Pause.
Wolli und ich fragten uns, welchen Platz wir gemacht hätten: wir fanden keine Antwort.
Alle wieder da und weiter ging es. Platz drei: Team Diawa, Applaus, Urkunde, Tüte mit Preisen, Glückwunsch, Händeschütteln, Foto und setzen.
Zweiter Platz: Team Pikenuts, die Lokalmatadore, gleiche Prozedur wie vor, jedoch statt Freude - blankes Entsetzen in ihren Gesichtern!
Dann hob Pope und Großmeister B. die Stimme und ruft unser Team nach vorne. Das konnte doch nicht sein-hier lief was falsch! Bei den Pikenuts brechen alle Dämme-maßlose Enttäuschung für sie, was ich aber erst später erfahre.
Alles rauscht innerlich an mir vorbei: Gutes genauso wie Schlechtes.

Der Rest wurde zügig erledigt, dauerte jedoch gefühlt ewig. Umarmungen, Gratulationen, Holzhechte, Scheckübergabe, Blitzlicht-Gewitter. Leider konnte ich sehr schlecht lachen, Hände schütteln, raus hier. Kurze SMS nach Ketzin, andere später. Jetzt hatten wir anderes zu tun. Gratulationskur, Foto hier und Foto da. Schwieriger wurde es beim Abmarsch. Entleerte Tüten halfen dort. Urkunden, Trophäen und Sachpreise eingesammelt und ab in die Pinte, dem Scheck hinterher. Hier ist wahres Bares gefragt. Getränkekonto eingerichtet und los: Wir waren nur noch mit verteilen und zuprosten beschäftigt. Die gleiche Erkenntnis wie im Vorjahr stellte sich ein: Frauen gibt es hier auch.
Wolfgang, als Mannschaftsführer wollte und musste noch etwas bleiben. Christof, Thilo und ich machten uns mit Holzhechten, Tüten und Ruten auf den Heimweg. Freundliche Ortsansässige spendierten Lächeln. Hütte mit der Beute erreicht, so dass eigentlich nur noch der Mannschaftsführer verschütt gehen konnte. Passierte dann aber nicht, kam gegen zwei Uhr zurück. An Schlaf war nicht zu denken. Die Gruppenleitung verweigerte die Bettruhe bevor nicht restlos alles er- und geklärt war, woher-wieso-weshalb-warum drei Holzhechte, ein Großer und zwei Kleinere, hier und jetzt vor uns standen. So gegen vier Uhr war dann alles klar.

Der Tag danach
Samstag 9 Uhr: Da standen die drei Holzhechte auf dem Tisch. War doch kein Traum! Kaffee gekocht, die Führung betritt die Bühne. Sah leicht angegriffen aus, erster Kaffee am Morgen, leichtes Chaos um uns. Angelkram, Wäschestücke und Köder hängen an Gardinenstangen. Kartenmaterial, Köderkisten, Klamotten, Küchenkisten und überall stand etwas, Trophäen und Gewinne dazwischen. Team 2 war besser organisiert und sie hatten Zeit, den Abend Revue passieren zu lassen.

Keine Eile hatte das Chaos. Ende des Check-In zur Überfahrt war 22 Uhr, das sollten wir doch ganz locker schaffen. Außerdem brauchten wir das Getränke-Leergut zu Hause nicht mehr abgeben. Das hatten in diesem diebstahlfreien Land schon ein paar freundliche Helfer für uns erledigt. Noch einmal herzlichen Dank, sonst hätten wir noch was da lassen müssen!
Auf der Nachtfähre klappte das mit dem Schlafen gut. Sonntag gegen 13 Uhr waren wir wieder zurück in Osnabrück. Wolfgang wurde unbeschadet bei seiner Familie abgeliefert. Gepäck umgeladen, natürlich nicht ohne die Ködertasche mit dem ganzen Kleinkram zu vergessen. Ich komme dann so gegen 15 Uhr auf meinem Strand zwischen Rhein und Maas an. Auch ganz nett hier. Karre ausgeräumt, Krempel auf Bude geschleppt, noch Feuchtes zum Trocknen aufgehängt. Die Damenwelt flog ein. Für alle Zeiten wurde die Frage „Na, gehst Du wieder Würmer baden?“ unter Strafandrohung verboten. Berichterstattung war angesagt. Triviale, naive Fragen wurden beantwortet dabei idyllische Illusionen korrigiert. Finalfrage: „Was habt ihr da eigentlich gemacht?“
Drei Tage auf einem halben, ständig schwankenden Quadratmeter gestanden. Zuweilen Wind und Wasser überall. Mit Konzentration, Disziplin und Ausdauer 300 bis 400 Würfe geliefert und bei allen Gegebenheiten und Umständen sein bestes Fischen gezeigt. Dauernd über Erfolge und Fehler nachgedacht. Ärger, Frust und/oder Streit im Boot vermieden. Die Woche als Urlaub betrachtet, mit der minimalen Chance, etwas mitzunehmen. Sich gefragt, wo der nächste, bessere Fisch sein konnte, nicht was wir mit dem gewinnen könnten. Diesen Erfolg konnten wir nur feiern, weil alle in der Mannschaft beteiligt waren.
Daher noch einmal an dieser Stelle ein Zitat aus unserer Pressemitteilung:
„Harmonie sowie neidloses Miteinander, Disziplin, Konzentration, Kondition und nicht zuletzt auch unsere individuellen Angelstile waren die Grundlagen dieses Erfolges, der den kleinen, aber entscheidenden Unterschied ausmachte.“


Dank an
Meinen Ur-Großvater Rudolf Wellnitz aus Wolgast am Peenestrom, der meiner Mutter das Angeln erklärte, so dass sie Verständnis, aber ebenso Spott und Hohn für meine Manie hatte und noch lange weiter haben möge.

Den ersten mitteilsamen, seriösen Hecht-Anglern: Marc und Stef aus Tegelen/NL, sowie
Richard vom Fish Inn in Venlo/NL, dem Lieferanten meines ersten Jerbaits.

Bertus Rozemeijer für seine Bücher „Spinnfischen“ und „Auf Hecht“ sowie für seine unzähligen Artikel, Berichte, Reportagen und Veröffentlichungen.
Hartmut Geck für sein Buch „Hecht und Zander in schwierigen Gewässern“.
Prof. Dr. Robert Arlinghaus, Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.
Steve Heiting und Jim Saric, „Musky Hunter Magazine“ sowie Blair Wiggins.

Marc Mihan, Inhaber von jerkbait.com. Für mich der „Meisterangler der Ruck-Köder“. Ausbilder, Berater, Bootsführer, Informant, Inspirator, Kritiker, Reiseleiter sowie seine Gesellen Robert, Marcellus, Michi, Mark-Zwei“.
„Rollen-Edeltuner“ Sebastian aus Oranienburg. Auch für den Köder, aber das „Wunderding“ war nicht nötig.
Wolfgang und seinen Tip: Eckehard, „Ecky“, Götze für das Gespräch und Rat.

Jacek Gorny, Tomi Kurman, Lough Corrib, Irland, für das Wissen aus euren Führungen.
Gregor und Christian, „HYBRIDA, Black-Forrest-Lures“ für Kumpanei und Gastlichkeit.

„Jupp“ den Gewässerwart des „Wolfsee“ und allen Ungenannten, die mir diesen Erfolg ermöglicht haben.

Den Herstellern und Produzenten der vor genannten Gerätschaften und Gebrauchsteile für die tadellose Funktion deren Produkte sowie der Firma „Jack Wolfskin".


Grefrath, den 20.10.2011
Uwe Lickfett