It’s Piketime!
Von Peter Ebsen

It’s Piketime? Of course it is…
Dieses Jahr wuchert das Kraut im See wieder besonders stark. Das hat zwei Vorteile: zunächst kommt vermehrt Fischbrut hoch – das ist gut für die Zukunft und dann trennt sich die Spreu vom Weizen, wenn Ihr wisst, was ich meine.

Die Saison hat eher schwach gestartet. Nach zwei – zugegebenermaßen - schönen Zandern zu Pfingsten kamen nur noch Kleinsthechte ans Band. Nix läuft richtig. Der Piketime Sickly, sonst immer eine Bank im Kraut, bringt nicht einen Biss. Ich habe die Drillinge durch 7/0er Einzelhaken ersetzt, um die Verletzungen für die Fische zu minimieren. Sein Lauf ist nach wie vor einwandfrei. Trotzdem kommt keine Attacke.
Der Real Jerk von Jackson fängt zwar seinen Fisch, aber keinen, der die Mindestmarke von 60cm überschreitet. Immer wieder wird geschrieben, dass im Sommer die Hechte nur auf Kleinstköder beißen von wegen der Fischbrut und so. Aber so’n richtiger Hecht nimmt auch einen richtigen Happen oder werdet Ihr von Krümeln satt? Sicher, wenn Ihr da fischt, wo die Brut sich aufhält… Aber die Brut ist nicht über den ganzen See verteilt und so lockt im Freiwasser auch im Sommer der große Köder. Na ja, so die Theorie.
Nach 6 Wochen mit nur Minihechten bin ich weichgekocht. Jetzt wird mit 2.5, 5 und 7cm Kopytos geschleppt. Irgendwo müssen die Viecher ja sein.
Aber es beißen wieder nur die üblichen kleinen Hechte, nur dass jetzt noch 10/12cm Barsche dazu kommen. Im Herbst und Winter für das Drachkovic-System gern gesehene Gäste an Bord sind sie jetzt doch eher lästig.
Auf dem Weg zurück zum meinem Campingplatz streift der kleine Gummifisch am Bleikopf die Wasserpflanzen, die hier am Yachthafen bis einen halben Meter unter die Oberfläche wachsen. Ich beschleunige den Köder ein wenig um ihn aus der „Gefahrenzone“ herauszubekommen, als der Anbiss kommt. Der Fisch zieht quer zur Fahrtrichtung – das ist ungewöhnlich. Ich denke an einen quer gehakten Brassen und das kurze Aufblitzen des Fisches im klaren Seewasser scheint meinen Verdacht zu bestätigen. Der Fisch ist bannich kräftig, die Spitze der umgebauten Fliegenrute tupft immer wieder ins Wasser. Ab und an walmt das Wasser auf und ich ändere meine Meinung zum Rapfen. Jo – schöner Fisch. Bestimmt 3kg.
Ich beschließe eine kleine Fotosession mit ihm und ziehe ihn langsam die letzten Meter bis nach Hause hinter dem Boot her. Jetzt schnell ein paar Bilder gemacht, einmal das Maßband angehalten und dann darf er wieder schwimmen.
73 cm ist er lang. Ein schöner Fisch.



Am nächsten Tag bin ich wieder auf dem Teich.
Wieder schleppe ich das kleine Verfolgersystem mit einem 7 cm Kopyto als Strecker und einem 2.5er als Springer. Der futterneidische Barsch frisst den kleinen Springer, der Hecht den Strecker, der in seinem Revier wildert. Dubletten sind äußerst selten. Da müssen die Barsche schon sehr aktiv sein.
Der Biss kommt wieder als der Gummifisch über die ersten Krautstengel schubbert. Ein leichter Anhieb mit der weichen Rute kommt sofort und dann den E-Motor schnell aus machen. Der frische Wind treibt mich auf den Fisch zu, so dass ich zunächst an den üblichen kleinen Hecht denke.
Als der Fisch aber am Boot vorbei schwimmt und ich ihn nicht überreden kann sich mal an der Oberfläche zu zeigen, stelle ich fest, dass ich mich getäuscht habe. Selbst mit dem Wissen, dass der 5er Fliegenblank nicht die Kraft hat jeden Fisch sofort an die Oberfläche zu zwingen – dies ist kein Zwerg. Der Fisch wühlt im Kraut herum und hängt immer wieder kurzzeitig fest. Aber da kann eigentlich nicht viel passieren – der Haken des Springers ist viel zu klein um sich in den Wasserpflanzen fest zu setzen.
Als der Hecht das erste Mal um das Boot schwimmt erkenne ich allerdings, dass er sich den Springer geschnappt hat. So ein Fisch – greift sich einen 2,5 cm Zwerg. Unglaublich. Und besch…eiden.
Ein kurzes Stahlvorfach ist eben nur an dem Strecker. Der Springer, für Barsche gedacht, ist direkt an das 25er Fluorocarbon geknotet. Na, sauber.
Aber der Fliegenblank hat auch Vorteile: Weil so wenig Druck gemacht werden kann, fängt der Hecht nicht an zu schlagen oder zu springen. Als er wieder einmal am Boot vorbei schwimmt greif’ ich ihn mir. Unglaublich. Der kleine Haken hängt innen am Unterkiefer direkt neben den großen Hauern. Die Schnur führt quer durch’s Maul und um den verlängerten Oberkieferknochen herum. Deshalb kommt die Monofile nicht mit den rasiermesserscharfen Zähnen in Berührung. Das Glück ist ein Rindvieh – es sucht Seinesgleichen! 90 cm. Dazu kann man schon Hecht sagen.
Schön sehen sie aus, die Hechte aus dem Kraut. So voller Kontrast. So grün – so gold. – der Bauch blendend weiß.
Mach’s gut Hecht und sieh’ Dich beim nächsten Mal vor.

Die Fische stehen also wie immer im Kraut. Wir haben dieses Jahr wieder einmal richtig viel Kraut. Mit weniger als einem halben Meter Platz zum Fischen.
Oberflächenköder wollen sie aber irgendwie nicht. Sinkende Jerks rupfen ständig Kraut ab. Ich hab’ noch einen schwarzen Piketime Little Buffalo medium. Der sinkt 5, vielleicht 10cm in der Sekunde. Der ist nicht so ganz easy zu führen. Zu aggressiv durchbricht er ständig die Wasseroberfläche, zu schwach gezogen gleitet er ohne nennenswerte Bewegungen durchs Wasser. Haste aber den Bogen raus, dann läuft er 10/20 cm unter der Wasseroberfläche schön hin und her. Das gefällt den Hechten.
Am folgenden Wochenende gibt’s wieder schöne Bisse. Ein 80er steigt meterhoch neben dem Boot und schüttelt den Buffalo ab. Egal. Trotzdem, die Haken sind Mist und werden gegen Owner-Drillinge ausgetauscht. Die nächsten Bisse kleben an den scharfen Haken. Schöne Fische bis 80 cm.
Heute waren es erst 2 kleine. Aber die lange Krautkante im Baggersee sieht vielversprechend aus. Immer wieder fliegt der Buffalo bis vor’s Schilf um sich dann langsam zurück zu arbeiten. In einem Schwall verschwindet der Jerk. Anhieb und… nix. Schande.
Na, was soll’s. Es ist kurz vor 10 und ich brauch’ ’ne gute halbe Stunde zurück. Aber ein Stückchen weiter scheint auch noch was zu wachsen. Na, da kann ich ja noch mal gucken. Ein schöner Krautgürtel wächst da unter Wasser. Doch was bewegen sich da für weiße Flecken. Da gehört ja noch ein langer schwarzer Körper dazu. Ach du Scheiße – das ist ja ein Wels – schönes Ding.
Der schwimmt keine 10 m vor meinem Boot direkt über dem Kraut an mir vorbei und verschwindet dann im tieferen Wasser. Die Jerke gegriffen und den Sickly gegen den Horizont geschleudert. Ruck – Zuck – Ruck. Den Krach, den der Köder unter Wasser macht, kann ich im Boot hören. Wenn er den nicht hört, dann weiß ich auch nicht…
Neuer Wurf. Ruck – Zuck – Rummmmms. Der Anbiss schlägt ein wie eine Bombe. Die alte ABU 4601 gibt knarzend die 25er Spiderwire frei. 2 – 5 – 10 m.
Dann sitzt er im Kraut fest. Na toll. Eigentlich kann nix passieren. Die Spiderwire hält alles aus, ich muss nur das Kraut wieder los werden.
Also hocke ich mich ans Heck und pule ich die Wasserpest nach und nach von der Schnur. Der Wels bockt etwa 2m unter mir. Nach 2min hab’ ich die Schnur soweit befreit, dass ich weiter drillen kann. Der Wels dreht das Boot, aber seine Kraft ist gebrochen. Nur noch halbherzig versucht er in die Tiefe zu entkommen. Ein Klaps auf den Kopf (hab’ ich mal gelesen) zeigt mir, dass seine Kraft verbraucht ist. Kiemengriff funktioniert nicht, also Wallergriff. Kann ja so schwer nicht sein. Ist es aber doch. Nicht der Griff, aber der Fisch. Am ausgestreckten Arm. Das kleine Boot ist ja mit Echolot, Batterie, Regenklamotten, 6 Ruten und diversen Köderkisten zugemüllt.
Holla, die Waldfee. Und das in unserem kleinen See… (na ja, ca. 100 ha). Ich setz’ ja gerne zurück, aber hier muss ich mal eine Ausnahme machen. Der Narziss in mir gewinnt die Oberhand. Warum sind eigentlich die anderen beiden Angler, die noch auf dem See sind, nicht in der Nähe? Ich zerre den Fisch also ins Boot.
Ogottogottogott, wo soll ich den denn deponieren? Ich schiebe die Kisten zur Seite und wuchte ihn auf die Steuerbordseite. Der Innenraum des kleinen Ruderboots ist 2 m lang. Der Wels lässt gerade noch etwas Platz für das Echolot. Ich hole das Maßband aus der Weste, jo, reicht nicht. Was für ein Fisch.
Nach der Betäubung beendet ein Kiemenschnitt das Leben des Räubers. Den muss ich Georg von der Blauen Lagune zeigen, doch als ich da angetuckert komme ist noch alles zu. Ist wohl gestern auf der Italienischen Nacht etwas später geworden. Also nach Hause. Die Gattin wartet schon mit dem Frühstück. Aber noch kurz bei der Angelwelt anhalten. So ein Fisch ist in unserem See selten.
Es gibt zwar immer wieder Geschichten von Fischen, die beim Karpfenangeln 300 m Schnur von der Rolle holen um dann abzureißen, aber ich fürchte, das liegt eher am Angler als an der unbändigen Kraft überdimensionierter Waller. Wir haben ja bei uns keine Strömung wie im Rhein, Main, Donau und so weiter. Bestätigt ist jedenfalls nur einer in der gleichen Größe.
In der Angelwelt wird der Fisch gewogen. Die Waage zittert zwischen 41 und 43 Pfd, bei einer Länge von einssiebenundfuffzich. Nur ein paar Karpfen aus dem See waren ein, zwei Pfund schwerer.

Aber das heißt ja nicht, dass es nicht doch größere gibt.
Der Sickly von Piketime hat mir heute meinen zweiten Waller gebracht und die Motivation für den nächsten!